Analyse und Wachstumsprognose der Cannabis-Branche in Deutschland

MARKTÜBERSICHT

Als stärkste Wirtschaftsmacht Europas ist Deutschland weltweit führender Anbieter in zahlreichen Branchen und Vorreiter der europäischen Cannabisindustrie. 
Deutschland, Europas größter potenzieller Markt, hat im März 2017 mit der Einführung einer neuen medizinischen Cannabisgesetzgebung und der Schaffung von elf Produktionslizenzen begonnen. Umstritten war das System der Lizenzvergabe für erfahrene internationale Unternehmen, die mit lokalen Unternehmen zusammenarbeiten oder Kooperationen schließen. 

Das ursprüngliche deutsche medizinische Cannabis-Lizenzverfahren wurde gestrichen. Als mehrere Unternehmen, die Lizenzen beantragt hatten, behaupteten, dass das BfArM ihren Antrag falsch bearbeitet habe. Eine Woche nach der Einstellung des Verfahrens hat das BfArM eine neue Ausschreibung mit aktualisierter Höchstgrenze für den Anbau veröffentlicht. Der Freizeitgebrauch ist in Deutschland derzeit illegal, obwohl die Strafen in den letzten Jahren mit zunehmender Tendenz immer milder wurden.

Die deutsche Hanfindustrie gehört zu den Top 5 in Europa und wird voraussichtlich 2019 weiterhin wachsen. Das Land ist bereit für weitere Reformen, einschließlich der Entkriminalisierung, die vom Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft im Februar 2018 gefordert wurde. Gegenwärtig richtet sich die Aufmerksamkeit der nationalen Regierung auf den heimischen Anbau. Obwohl die anfänglichen Beantragungskosten hoch waren, können die Markteintrittsbarrieren beseitigt werden. Das liegt daran, dass inländische Organisationen weiterhin gegen die Bevorzugung internationaler Partnerschaften sprechen. 

RECHTLICHER RAHMEN

Deutschland ist der größte medizinische Cannabismarkt in Europa. Zudem ermöglicht er den Verkauf der meisten Cannabismedikamente wie Sativex, Dronabinol, Nabilone und viele mehr. Die medizinischen Cannabisprogramme des Landes befinden sich noch in der Entwicklungsphase, werden zukünftig allerdings zu den stabilsten Europas gehören.

Medizinisches Cannabis

Seit März 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland legal. Bisher hatte die Gesetzgebung nur Anträge von rund 1.000 Patienten akzeptiert. Im März 2018 stieg die Zahl der Anträge bei den Krankenkassen jedoch auf 13.000. Die Krankenkassen tragen die Kosten für die Versorgung der Patienten mit verordnetem medizinischem Cannabis. Bisher sind 60% der Anträge auf Erstattung genehmigt.

Cannamedical

Cannamedical Pharma, einer der Marktführer bei der Versorgung deutscher Patienten schätzt, dass im Jahr 2018 30.000 Patienten mit Importen in einer Größenordnung von 22.000 kg versorgt werden. Um die steigende Nachfrage nach medizinischem Cannabis zu decken, ist Deutschland auf den Import von medizinischem Cannabis aus dem Ausland angewiesen.

Anträge

Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte, haben elf Antragsteller beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Einfuhrgenehmigung für Cannabis zu medizinischen Zwecken beantragt. Im Zeitraum zwischen September 2017 und März 2018 importierte Deutschland 2100 kg medizinisches Cannabis aus dem Ausland. Dies ist nach den ursprünglichen Rechtsvorschriften maximal zulässig. 

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden jedoch noch weitere Anträge bearbeitet. Seit September 2017 beantragen die bisherigen Importberechtigten die Erhöhung ihrer Jahreskontingente auf 10.900 kg. Zwei weitere Anträge mit einem Gesamtgewicht von 10.400 kg werden außerdem bearbeitet. Voraussetzung für den Import ist, dass das man Cannabis auf die ursprüngliche Bezugsquelle zurückgeführen kann. Dabei muss es sich um einen zugelassenen medizinischen Hersteller unter Kontrolle des Exportstaates handeln.

Die genannten Bestimmungen sind das Ergebnis eines internationalen Abkommens, das die Herstellung und Lieferung bestimmter Arzneimittel verbietet. Aufgrund rechtlicher Schwierigkeiten bei der vorangegangenen Ausschreibung hat das BfArM ein neues Angebot mit einer aktualisierten Höchstgrenze von 10.400 Kilogramm Cannabisimport veröffentlicht. Das ist eine deutlich höhere Menge als die bisherigen 6.600 Kilogramm. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass die oben genannte Cannabismenge in den nächsten vier Jahren produziert werden soll.

Lizenzaustattung

Derzeit plant Deutschland, mindestens drei Unternehmen mit Lizenzen auszustatten, um diese Anforderungen zu erfüllen. Zudem ist die aktuelle Produktionsgrenze auf 1.000 Kilogramm pro Unternehmen und Jahr festgelegt. Damit wird die wachsende Nachfrage jedoch nicht gedeckt und somit wird Deutschland noch mindestens bis 2020 Cannabis importieren. Derzeit müssen Antragsteller Zulassungen für Cannabistests, bundesweite behördliche Genehmigungen nach dem Arzneimittelgesetz, die Einfuhrgenehmigung, die Großhandelslizenz und die Herstellungserlaubnis einholen. Das einführende Unternehmen muss einen Drogenbeauftragten benennen, der über ausreichende Fachkenntnisse verfügt. Diese Expertise kann einen Universitätsabschluss in Biologie, Chemie, Pharmazie oder Human-/Tiermedizin oder eine Berufsausbildung zum Pharmagroßhändler beinhalten. 

Es sind umfassende Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen und vom Importeur nachzuweisen, einschließlich der Lagerung in Schließfächern, Sicherheitsräumen und elektrischen Überwachungssystemen, die mit der Polizei verbunden sind. Die Produkte müssen auch den Richtlinien der GACP(Good Agricultural and Collection Practice) entsprechen. Darüber hinaus muss das Cannabis den Bestimmungen der Monographie „Cannabisblüten“ des Deutschen Arzneibuchs und anderer relevanter Monographien entsprechen.

Das Bundesopiumamt ist verantwortlich für das Antragsverfahren der Importgenehmigung. Was die weitere Gesetzgebung betrifft, so gibt es in Deutschland eine etablierte Interessengemeinschaft, die von einem starken Forschungsumfeld begleitet ist. Obwohl eine Entkriminalisierung wahrscheinlich ist, ist nicht davon auszugehen, dass vor dies vor 2022 (oder bis zur nächsten Wahl)erfolgt. Der Rechtsrahmen für CBD ist nicht eindeutig. Hanfderivate schienen in Deutschland als legal behandelt zu werden, doch in jüngster Zeit wurde gegen eine Hanfbar vorgegangen, die getrocknete Hanfblüten in Form von Tee verkaufte. Einer der Barbesitzer steht nun vor dem Prozess. Tatsächlich hält die Deutsche Hanf/Cannabis-Gesellschaft die rechtlichen Rahmenbedingungen derzeit für so undurchsichtig, dass sie empfiehlt, den Handel mit synthetischen Cannabispflanzen in Deutschland nicht zu betreiben. 

Gesundheitsanalyse

Seit Januar 2017 müssen die gesetzlichen Krankenkassen, bei denen 90% der Bevölkerung versichert sind, Cannabismedikamente (bis zu fünf Unzen oder 141,75 Gramm pro Monat) erstatten. Damit ist Deutschland einer der potenziell wertvollsten Märkte in Europa. Das Versicherungssystem deckt alle Cannabisbehandlungen ab, bestimmt aber nicht, welche Bedingungen erfüllt werden müssen. 

Das macht es für Patienten schwierig, ein medizinisches Cannabis-Rezept zu erhalten. Tatsächlich sind die Ärzte oft vorsichtig, wenn es darum geht, medizinische Cannabis-Rezepte auszustellen, und zwar aus einer Reihe von Gründen. Diese beziehen sich auf die Kontrolle durch Aufsichtsbehörden und Versicherungsgesellschaften, Rufschäden durch den Umgang mit vermeintlichen Drogenkonsumenten, Unklarheiten über die medizinische Wirksamkeit und die gesetzliche Haftung für den Fall, dass der Patient eine Nebenwirkung auf Cannabis hat.

Da die deutsche Pharmazie derzeit nur Cannabisblüten akzeptiert, können die damit verbundenen Kosten, insbesondere im Vergleich zu anderen Cannabis-Präparaten, recht hoch sein. Wenn die Versicherungsgesellschaften jedoch davon überzeugt sind, dass Cannabinoide die Qualität der öffentlichen Gesundheit tatsächlich verbessern und ihre Kosten senken, könnten sie letztlich die stärksten Verbündeten der Branche werden. Die Zulassungsrate der drei führenden Versicherer (AOK, TK und Barmer) liegt bei medizinischen Cannabispatienten-Anwendungen zwischen 62% und 64%. Für Patienten ohne Krankenversicherung kann medizinisches Cannabis in Deutschland je nach Versorgungslage zwischen 1.500 und 2.400 Euro kosten. Darüber hinaus können Apotheken rund sieben Euro pro Gramm verlangen, um Cannabis für den medizinischen Gebrauch zu produzieren. Die Regierung hat Mittel für die Erforschung und Entwicklung von Cannabisbehandlungen bei Epilepsie, von denen schätzungsweise rund 540.000 Deutsche betroffen sind, in den Vordergrund gestellt. 

Geschäftliche Möglichkeiten

Deutschland weist unter allen EU-Ländern die größte Nachfrage nach Cannabis auf. Allein der geschätzte Markt für medizinisches Cannabis beläuft sich auf 7,7 Milliarden Euro. Wenn auch Freizeit-Cannabis in die Schätzung einbezogen wird, steigt der Wert auf 16,2 Milliarden Euro. Dies macht den deutschen Cannabismarkt für Cannabisunternehmen in Deutschland, der EU und anderen Ländern äußerst attraktiv.

Deutschland plant, den inländischen Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke voranzutreiben. Unternehmen, die diesen Raum betreten, müssen jedoch aufgrund der hohen Antragsgebühren und der strengen Auflagen möglicherweise zwischen 30 und 60 Millionen Euro ausgeben. Diese Kosten werden zumindest in den nächsten 18 Monaten weiterhin in dieser Größenordnung bleiben, da Versorgungsengpässe für jeden erfolgreichen Antragsteller einen starken Umsatz und hohe Marktpreise garantieren. Darüber hinaus müssen die Antragsteller Erfahrungen in der Produktion von bundesgesetzlichem Cannabis und einem GMP-zertifizierten Produkt nachweisen.

Bisher beherrschen große kanadische und niederländische Unternehmen den Markt durch Kooperationen mit deutschen Unternehmen wie Spektrum, Pedanios, Nuuvera und Cannamed. Verzögerungen im Genehmigungsverfahren haben dazu geführt, dass dieselben Unternehmen auch im übrigen Europa Anbau- und Produktionsanlagen errichten. Mit einer aktuellen Präsenz in Portugal und Dänemark werden sich deutsch-kanadische Partnerschaften zukünftig auch auf Italien und Griechenland konzentrieren. Billigproduzenten aus aller Welt setzen nun mit medizinischen Cannabisprodukten auf Deutschland und gehen von einer mindestens 18-monatigen Versorgungslücke aus, bevor der heimische Anbau beginnt. Das deutsche Kranken- und Versicherungssystem setzt auf die Digitalisierung, so dass auch Innovationen im Technologiebereich wahrscheinlich sind. Die Barriere für den Markteintritt ist jedoch hoch, und potenzielle Antragsteller benötigen ein Verständnis und Erfahrung in den Bereichen IT-Sicherheit, Banken, europäisches Datenschutzrecht und Datenschutz. 

PROGNOSE DES MARKTWERTS FÜR MEDIZINISCHES CANNABIS: 2018 – 2028 

Bis 2024 wird die Zahl der medizinischen Cannabispatienten in Deutschland die 1-Million-Marke überschreiten, so die Prognose von Prohibition Partners. Da die meisten Cannabismedikamente im Land zum Kauf angeboten werden, kann ein breiteres Spektrum an Krankheiten behandelt werden. Dies hat dazu beigetragen, den prognostizierten Wert des deutschen medizinischen Cannabismarktes zu steigern. Prohibition Partners geht davon aus, dass die Nachfrage nach medizinischem Cannabis im Land weiter steigen wird. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Patient dürften im Prognosezeitraum bis 2028 wieder zurückgehen. 

Fachliche Expertenanalyse 
Kai-Friedrich Niermann, Rechtsanwalt 

Freizeitaktivitäten 

Ein jüngst veröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Deutschen Hanfverbandes geht davon aus, dass es 250 Tonnen pro Jahr auf dem Schwarzmarkt gibt. Im Falle einer Legalisierung könnten 20.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und Steuereinnahmen von bis zu 3 Milliarden Euro erzielt werden. Der Autor der Studie, Prof. Dr. Haucap, einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen für regulierte Märkte, stellte diese Studie Ende November auf einem Legalisierungskongress in Berlin vor. Seine Einschätzung ist sehr konservativ. Wie er erklärte, könnte es derzeit auch bis zu 600 Tonnen auf dem Schwarzmarkt geben, da es aufgrund der illegalen Verteilungsbedingungen nur unzureichende Daten gibt. 

Es wird nach wie vor heftig über die Legalisierung diskutiert. Im Juli 2017 schlugen die Grünen dem Deutschen Bundestag einen Gesetzentwurf vor, der die Legalisierung von Cannabiskonsum für Freizeitzwecke vorsieht. Das Gesetz sah eine vollständige Entkriminalisierung der Nutzer und einen geregelten Markt für Anbau, Großhandel, Einzelhandel, Verarbeitung und Import vor. Die Geschäftspartner konnten Anbaugebiete, Groß- und Einzelhandelsbetriebe usw. ohne Einschränkung freigeben, es gäbe nur Anforderungen an Qualität und soziale Verantwortung (die Geschäfte müssen ein soziales Konzept und gut ausgebildetes Fachpersonal vorweisen). 
Mit Ausnahme der beiden konservativen Parteien CDU und AfD ist mittlerweile jede Partei im Bundestag für eine Legalisierung bereit. 

Da die Grünen vermutlich eine wichtige Rolle in der nächsten Regierung spielen werden, weil sie derzeit hervorragende Umfragen vorweisen können (15-20%), könnte das Cannabis Control Act die Vorlage für jede Legalisierungsgesetzgebung sein. Wenn die WHO Cannabis innerhalb des Systems der einzelnen Suchtstoffübereinkommen umplant, wird es ein weiteres starkes Argument für die Drogenpolitik sein, den repressiven Ansatz im Umgang mit Cannabis in Bezug auf Kriminalisierung und Vertrieb zu ändern. Wenn Kanada und die legalisierten US-Märkte positive gesellschaftliche Auswirkungen und Erfahrungen mit der Legalisierung aufweisen und die USA Cannabis mit einer Bundesreform legalisieren, wird Deutschland bald folgen. 

Ausschreibung 

Die Ausschreibung wurde aufgrund eines Rechtsstreits vom Oktober auf Dezember 2018 verschoben. Gemäß den Ausschreibungsbedingungen müssen Antragsteller nachweisen, dass sie in den letzten drei Jahren 50 kg GMP-gerechtes medizinisches Cannabis (oder medizinische Kräuter) an eine staatliche Cannabisagentur verkauft haben. Das alles so dass nur die Verkäufe niederländischer und kanadischer Unternehmen berücksichtigt werden können.

Einer der Antragsteller bemängelt die Ausschreibungsbedingungen und versucht, die Cannabisagentur zu zwingen, die Bedingungen durch Berufung an das zuständige Bundesgericht zu überprüfen. Die Beschwerde wurde zurückgewiesen. Die Rechtsmittel sind jedoch noch nicht ausgeschöpft. So kann es zu einer weiteren Verzögerung kommen oder die Ausschreibung muss wie der erste Versuch, den Anbau in Deutschland zu etablieren, gestrichen werden. Es scheint, dass das deutsche Ausschreibungsgesetz und der rechtliche Rahmen der einzelnen Betäubungsmittelübereinkommen, die bei der Begründung des Anbaus in einem Mitgliedstaat eingehalten werden müssen, unvereinbar sind. Sollte auch das zweite Ausschreibungsverfahren scheitern, wird der Druck auf den Gesetzgeber zur Änderung der Rechtsordnung größer, da die Inlandsnachfrage mit der Zahl der Patienten kontinuierlich steigen wird. 

CBD 

Das Problem mit CBD ist weiterhin, dass für die derzeit üblichen Nahrungsergänzungsmittel, d.h. Produkte unterhalb der medizinischen Verwendungsgrenze, keine Heilversprechen abgegeben werden dürfen, es sei denn, es werden wissenschaftliche Nachweise erbracht. Die Unternehmen müssen weiterhin in die Forschung investieren, um das Marktpotenzial der CBD-Produkte langfristig voll auszuschöpfen. Es macht keinen Sinn, Produkte mit hohem finanziellen und organisatorischen Aufwand auf den Markt zu bringen, ohne sagen zu können, warum der Verbraucher sie kaufen soll.
Auf regulatorischer Ebene gibt es in der EU zwei Möglichkeiten: Erstens kann die Aufnahme von CBD-Produkten in die EU-Liste der zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben der Europäischen Kommission beantragt werden (EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel). Zum anderen besteht die Möglichkeit, das betreffende CBD-Produkt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (z.B. Ginkgo) zu registrieren, so dass auch pharmakologische Wirkungen kommuniziert werden können.

HIER können Sie einen Beitrag zum Cannabiskonsum bei Jugendlichen von uns lesen!

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